GESANG DES ABGESCHIEDENEN THE HERMIT'S SONG
Georg Trakl trans. Bertram Kottmann

An Karl Borromaeus Heinrich

Voll Harmonien ist der Flug der Vögel. Es haben die grünen Wälder

Am Abend sich zu stilleren Hütten versammelt;
Die kristallenen Weiden des Rehs.

Dunkles besänftigt das Plätschern des Bachs, die feuchten Schatten
Und die Blumen des Sommers, die schön im Winde läuten.
Schon dämmert die Stirne dem sinnenden Menschen.

Und es leuchtet ein Lämpchen, das Gute, in seinem Herzen
Und der Frieden des Mahls; denn geheiligt ist Brot und Wein
Von Gottes Händen, und es schaut aus nächtigen Augen
Stille dich der Bruder an, dass er ruhe von dorniger Wanderschaft.

O das Wohnen in der beseelten Bläue der Nacht.
Liebend auch umfängt das Schweigen im Zimmer die Schatten der Alten,
Die purpurnen Martern, Klage eines grossen Geschlechts,
Das fromm nun hingeht im einsamen Enkel.

Denn strahlender immer erwacht aus schwarzen Minuten des Wahnsinns
Der Duldende an versteinerter Schwelle
Und es umfangt ihn gewaltig die kühle Bläue und die leuchtende Neige des
.................................................................................................Herbstes,
Das stille Haus und die Sagen des Waldes,
Mass und Gesetz und die mondenen Pfade der Abgeschiedenen.

Aus "Sebastian im Traum"

For Karl Borromaeus Heinrich

Rife with harmonies is the flight of the birds. At night-fall the greening
.............................................................................................forests
have gathered together to quieter cathedrals;
the crystalline pastures of the doe.

Darkness appeases the sough of the brook, the humid shadows
and the flowers of summer, that lovely ring in the wind.
Already the brow of the musing man darkens.

There's a shine of a small light, the goodness within his heart
and the peace of the meal; for hallowed are bread and wine
by the hands of God, and with the eyes of night the brother
quiescently looks at you, that he may rest from thorny wanderings.

O the dwelling in the besoulèd blueness of night.
Dearly, too, the chamber´s silence embraces the forefathers' shadows,
the purple-red martyrs, plaint of a distinguished descent,
that piously dies in the cloistered grandson.

For brighter the sufferer always wakes at the petrified threshold
from black and sinister minutes of madness.
And he is embraced by the chilly blueness and the luminous ending of
.............................................................................................autumn,
the silent house and the tales of the forest,
measure and law and the moony paths of the hermits.

From "Sebastian im Traum"

Trans. copyright © Bertram Kottmann 2010


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