KLEINE STADT LITTLE TOWN
Ernst StadlerBrian Cole
Die vielen kleinen Gassen, die die langgestreckte
Hauptstrasse überqueren
Laufen alle ins Grüne.
Überall fängt Land an.
Überall strömt Himmel ein und Geruch von Bäumen
und der starke Duft der äcker.
Überall erlischt die Stadt
in einer feuchten Herrlichkeit von Wiesen,

Und durch den grauen Ausschnitt
niedrer Dächer schwankt
Gebirge, über das die Reben klettern,
die mit hellen Stützen in die Sonne leuchten.
Darüber aber schliesst sich Kiefernwald: der stösst
Wie eine breite dunkle Mauer an die rote Frölichkeit
der Sandsteinkirche.

Am Abend, wenn die Fabriken schliessen,
ist die grosse Strasse mit Menschen gefüllt.
Sie gehen langsam
oder bleiben mitten auf der Gasse stehn.
Sie sind geschwärzt von Arbeit und Maschinenruss.
Aber ihre Augen tragen
Noch Scholle, zähe Kraft des Bodens
und das feierliche Licht der Felder.
The many little alleys that cross the long stretched-out
main street
all lead to green.
Everywhere the countryside begins.
Everywhere is imbued with sky and the smell of trees
and the strong scent of the fields.
Everywhere the town is engulfed
in a moist splendour of meadows,

And between grey silhouettes
of low roofs rise
rolling hills where grape-vines climb,
and shine in the sun with their bright poles.
Above, the pine wood closes in: it stands out
like a long dark wall against the red gaiety
of the sandstone church.

In the evening, when the factories close,
the main street is full of people.
They walk slowly,
or stand in the middle of the road.
They are begrimed from work and engine soot.
But their eyes still bear
soil, the tough strength of the earth,
and the festive light of the fields.

Trans. Copyright © Brian Cole 2004


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