MARIA STUART - III.1MARIA STUART - III.1
Friedrich von Schillertr. Robert David MacDonald
(Maria tritt in schnellem Lauf hinter Bäumen hervor.
Hanna Kennedy folgt langsam.)


KENNEDY
Ihr eilet ja, als wenn Ihr Flügel hättet,
So kann ich Euch nicht folgen, wartet doch!

MARIA
Lass mich der neuen Freiheit geniessen,
Lass mich ein Kind sein, sei es mit!
Und auf dem grünen Teppich der Wiesen
Prüfen den leichten, geflügelten Schritt.
Bin ich dem finstern Gefängnis entstiegen,
Hält sie mich nicht mehr, die traurige Gruft?
Lass mich in vollen, in durstigen Zügen
Trinken die freie, die himmlische Luft.

KENNEDY
O meine teure Lady! Euer Kerker
Ist nur um ein klein weniges erweitert.
Ihr sehr nur nicht die Mauer, die uns einschliesst,
Weil sie der Bäume dicht Gesträuch versteckt.

MARIA
O Dank, Dank diesen freundlich grünen Bäumen,
Die meines Kerkers Mauern mir verstecken!
Ich will mich frei und glücklich träumen,
Warum aus meinem süssen Wahn mich wecken?
Umfängt mich nicht der weite Himmelsschoss?
Die Blicke, frei und fessellos,
Ergehen sich in ungemessnen Räumen.
Dort, wo die grauen Nebelberge ragen,
Fängt meines Reiches Grenze an,
Und diese Wolken, die nach Mittag jagen,
Sie suchen Frankreichs fernen Ozean.
Eilende Wolken! Segler der Lüfte!
Wer mit euch wanderte, mit euch schiffte!
Grüsset mir freundlich mein Jugenland!
Ich bin gefangen, ich bin in Banden,
Ach, ich hab keinen andern Gesandten!
Frei in Lüften ist euren Bahn,
Ihr seid nicht dieser Königin untertan.

KENNEDY
Ach, teure Lady! Ihr seid ausser Euch,
Die langentbehrte Freiheit macht Euch schwärmen.

MARIA
Dort legt ein Fischer den Nachen an!
Diesen elende Werkzeug könnte mich retten,
Brächte mich schnell zu befreundeten Städten.
Spärlich nährt es den dürftigen Mann.
Beladen wollt' ich ihn reich mit Schätzen,
Einen Zug sollt' er tun, wie er keinen getan,
Das Glück sollt' er finden in seinen Netzen,
Nähm er mich ein in den rettenden Kahn.

KENNEDY
Verlorne Wünsche! Seht Ihr nicht, dass uns
Von ferne dort die Spähertritte folgen?
Ein finster grausames Verbot scheucht jedes
Mitleidige Geschöpf aus unserm Wege.

MARIA
Nein, gute Hanna. Glaub mir, nicht umsonst
Ist meines Kerkers Tor geöffnet worden.
Die kleine Gunst ist mir des grössern Glücks
Verkünderin. Ich irre nicht. Es ist
Der Liebe tät'ge Hand, der ich sie danke.
Lord Leicesters mächt'gen Arm erkenn ich drin.
Allmählich will man mein Gefängnis weiten,
Durch Kleineres zum Grössern mich gewöhnen,
Bis ich das Antlitz dessen endlich schaue,
Der mir die Bande löst auf immerdar.

............
............
(Enter Mary from behind the trees, running. Kennedy
follows slowly.)


KENNEDY
My Lady, wait, you are too fast for me.


MARY
Let me enjoy my new-found freedom. Let
me be a child again, and be one with me;
let us run through the grass and quite forget
that we were ever in captivity.





KENNEDY
Oh, my dear Lady, your imprisonment
has only been a little bit enlarged.
You cannot see the walls that close us in
only because the trees are hiding them.

MARY
Then they have earned my gratitude, those trees
that hide the grim walls of our hateful prison:
I want to dream of freedom, joy and ease,
why do you wake me from so sweet a vision?
Is this not Heaven's vault that shelters me,
extending further than the eye can see,
upward to measureless infinities?
There, where the mountain tops begin to rise,
that is my country's boundary.
The clouds scud by us, seeking southern skies,
the warmer shores of France's far-off sea.
Hurrying clouds, ships of the air,
would I could fly with you, sail everywhere,
salute the fair country where I was young.
I am a prisoner, fettered and chained,
and no ambassador have I to send.
But you may wander through the vaults of space:
no Queen of England holds you in this place.

KENNEDY
Oh dearest Lady! You are not yourself:
carried away by too much sudden freedom.

MARY
Look, where the fisherman brings his ketch to shore:
that boat could bring my troubles to an end;
take me with speed where I could find a friend.
It is too evident the man is poor:
I shall load the boat with treasure,
more than his poor nets can measure,
quite beyond his imagination,
if he will bring me salvation.

KENNEDY
A hopeless dream. Can you not see that we
are still under surveillance from a distance?
A cruel Prohibition scares away
any who might have shown you sympathy.

MARY
Oh, Jane, believe me, it was not by chance
the prison doors were opened. This small favour
is herald of a greater happiness.
I know I'm not mistaken. And I have
to thank the hand of love for it. I trace
Lord Leicester's powerful hand in all of this.
They will enlarge the prison by degrees:
little by little letting me get used
to greater liberty, until at last
I see the man who will strike off my chains.

............
............

Trans. Copyright © Robert David MacDonald 1990 - publ. Oberon Books


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