DIE JUNGFRAU VON ORLEANS - I.1/2 THE MAID OF ORLEANS - I.1/2
Friedrich von Schiller tr. Barbara Swanwick
DUNOIS
Nein, ich ertrag es länger nicht. Ich sage
Mich los von diesem König, der unrühmlich
Sich selbst verlässt. Mir blutet in der Brust
Das tapfre Herz und glühnde Tränen möcht ich weinen,
Dass Räuber in das königliche Frankreich
Sich teilen mit dem Schwert, die edeln Städte,
Die mit der Monarchie gealtert sind,
Dem Feind die rostgen Schlüssel überliefern,
Indes wir hier in tatenloser Ruh
Die köstlich edle Rettungszeit verschwenden.
Ich höre Orleans bedroht, ich fliege
Herbei aus der entlegnen Normandie,
Den König denk ich kriegerisch gerüstet
An seines Heeres Spitze schon zu finden,
Und find ihn hier! Umringt von Gaukelspielern
Und Troubadours, spitzfindge Rätsel lösend
Und der Sorel galante Feste gebend,
Als waltete im Reich der tiefste Friede!
Der Connetable geht, er kann den Greul
Nicht länger ansehn. Ich verlass ihn auch,
Und übergeb ihn seinem bösen Schicksal.

DU CHATEL
Da kommt der König!

KARL
Der Connetable schickt sein Schwert zurück,
Und sagt den Dienst mir auf. In Gottes Namen!
So sind wir eines mürrschen Mannes los,
Der unverträglich uns nur meistern wollte.

DUNOIS
Ein Mann ist viel wert in so teurer Zeit,
Ich möcht ihn nicht mit leichtem Sinn verlieren.

KARL
Das sagst du nur aus Lust des Widerspruchs,
Solang er dawar, warst du nie sein Freund.

DUNOIS
Er war ein stolz verdriesslich schwerer Narr,
Und wusste nie zu enden - diesmal aber
Weiss ers. Er weiss zu rechter Zeit zu gehn,
Wo keine Ehre mehr zu holen ist.

KARL
Du bist in deiner angenehmen Laune,
Ich will dich nicht drin stören. Du Chatel!
Es sind Gesandte da vom alten König,
René, belobte Meister im Gesang,
Und weit berühmt. Man muss sie wohl bewirten,
Und jedem eine goldne Kette reichen.
(Zum Bastard)
Worüber lachst du?

DUNOIS
..............................Dass du goldne Ketten
Aus deinem Munde schüttelst.

DU CHATEL
Sire! Es ist
Kein Geld in deinem Schatze mehr vorhanden.

KARL
So schaffe welches. Edle Sänger dürfen
Nicht ungeehrt von meinem Hofe ziehen.
Sie machen uns den dürren Szepter blühn,
Sie flechten den unsterblich grünen Zweig
Des Lebens in die unfruchtbare Krone,
Sie stellen herrschend sich den Herrschern gleich,
Aus leichten Wünschen bauen sie sich Throne,
Und nicht im Raume liegt ihr harmlos Reich,
Sie beide wohnen auf der Menschheit Höhen!

DU CHATEL
Mein königlicher Herr! Ich hab dein Ohr
Verschont, solang noch Rat und Hülfe war,
Doch endlich löst die Notdurft mir die Zunge.
Du hast nichts mehr zu schenken, ach! du hast
Nicht mehr, wovon du morgen könntest leben!
Die hohe Flut des Reichtums ist zerflossen,
Und tiefe Ebbe ist in deinem Schatz.
Den Truppen ist der Sold noch nicht bezahlt,
Sie drohen murrend abzuziehen. Kaum weiss
Ich Rat, dein eignes königliches Haus
Notdürftig nur, nicht fürstlich, zu erhalten.



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DUNOIS
No longer I'll endure it. I renounce
This recreant monarch who forsakes himself.
My valiant heart doth bleed, and I could rain
Hot tear-drops from mine eyes, that robber-swords
Partition thus the royal realm of France;
That cities, ancient as the monarchy,
Deliver to the foe the rusty keys,
While here in idle and inglorious ease
We lose the precious season of redemption.
Tidings of Orleans' peril reach mine ear,
Hither I sped from distant Normandy,
Thinking, arrayed in panoply of war,
To find the monarch with his marshalled hosts;
And find him - here! begirt with troubadours,
And juggling knaves, engaged in solving riddles,
And planning festivals in Sorel's honor,
As brooded o'er the land profoundest peace!
The Constable hath gone; he will not brook
Longer the spectacle of shame. I, too,
Depart, and leave him to his evil fate.


DUCHATEL
Here comes the king.

CHARLES
The Constable hath sent us back his sword
And doth renounce our service. Now, by heaven!
He thus hath rid us of a churlish man,
Who insolently sought to lord it o'er us.

DUNOIS
A man is precious in such perilous times;
I would not deal thus lightly with his loss.

CHARLES
Thou speakest thus from love of opposition;
While he was here thou never wert his friend.

DUNOIS
He was a tiresome, proud, vexatious fool,
Who never could resolve. For once, however,
He hath resolved. Betimes he goeth hence,
Where honor can no longer be achieved.

CHARLES
Thou'rt in a pleasant humor; undisturbed
I'll leave thee to enjoy it. Hark, Duchatel!
Ambassadors are here from old King Rene,
Of tuneful songs the master, far renowned.
Let them as honored guests be entertained,
And unto each present a chain of gold.
(To the Bastard)
Why smilest thou, Dunois?

DUNOIS
........................................That from thy mouth
Thou shakest golden chains.

DUCHATEL
...........................................Alas! my king!
No gold existeth in thy treasury.

CHARLES
Then gold must be procured. It must not be
That bards unhonored from our court depart.
'Tis they who make our barren sceptre bloom,
'Tis they who wreath around our fruitless crown
Life's joyous branch of never-fading green.
Reigning, they justly rank themselves as kings,
Of gentle wishes they erect their throne,
Their harmless realm existeth not in space;
Hence should the bard accompany the king,
Life's higher sphere the heritage of both!

DUCHATEL
My royal liege! I sought to spare thine ear
So long as aid and counsel could be found;
Now dire necessity doth loose my tongue.
Naught hast thou now in presents to bestow,
Thou hast not wherewithal to live to-morrow!
The spring-tide of thy fortune is run out,
And lowest ebb is in thy treasury!
The soldiers, disappointed of their pay,
With sullen murmurs, threaten to retire.
My counsel faileth, not with royal splendor
But meagerly, to furnish out thy household.



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