DIE JUNGFRAU VON ORLEANS - III.1 JOAN OF ARC - III.1
Friedrich von Schillertr. Robert David MacDonald
DUNOIS
Wir waren Herzensfreunde, Waffenbrüder,
Für eine Sache hoben wir den Arm
Und hielten fest in Not und Tod zusammen.
Lasst Weiberliebe nicht das Band zertrennen,
Das jeden Schicksalswechsel ausgehalten.

LA HIRE
Prinz, hört mich an!

DUNOIS
Ihr liebt das wunderbare Mädchen,
Und mir ist wohl bekannt, worauf Ihr sinnt.
Zum König denkt Ihr stehnden Fusses jetzt
Zu gehen, und die Jungfrau zum Geschenk
Euch zu erbitten- Eurer Tapferkeit
Kann er den wohlverdienten Preis nicht weigern.
Doch wisst - eh ich in eines andern Arm
Sie sehe -

LA HIRE
Hört mich, Prinz!

DUNOIS
Es zieht mich nicht
Der Augen flüchtig schnelle Lust zu ihr.
Den unbezwungnen Sinn hat nie ein Weib
Gerührt, bis ich die Wunderbare sah,
Die eines Gottes Schickung diesem Reich
Zur Retterin bestimmt und mir zum Weibe,
Und in dem Augenblick gelobt ich mir
Mit heilgem Schwur als Braut sie heimzuführen.
Denn nur die Starke kann die Freundin sein
Des starken Mannes, und dies glühnde Herz
Sehnt sich an einer gleichen Brust zu ruhn,
Die seine Kraft kann fassen und ertragen.

LA HIRE
Wie könnt ichs wagen, Prinz, mein schwach Verdienst
Mit Eures Namens Heldenruhm zu messen!
Wo sich Graf Dunois in die Schranken stellt,
Muss jeder andre Mitbewerber weichen.
Doch eine niedre Schäferin kann nicht
Als Gattin würdig Euch zur Seite stehn,
Das königliche Blut, das Eure Adern
Durchrinnt, verschmäht so niedrige Vermischung.

DUNOIS
Sie ist das Götterkind der heiligen
Natur, wie ich, und ist mir ebenbürtig.
Sie sollte eines Fürsten Hand entehren,
Die eine Braut der reinen Engel ist,
Die sich das Haupt mit einem Götterschein
Umgibt, der heller strahlt als irdsche Kronen,
Die jedes Grösste, Höchste dieser Erden
Klein unter ihren Füssen liegen sieht;
Denn alle Fürstenthronen aufeinander
Gestellt, bis zu den Sternen fortgebaut,
Erreichten nicht die Höhe, wo sie steht,
In ihrer Engelsmajestät!

LA HIRE
Der König mag entscheiden.

DUNOIS
Nein, sie selbst
Entscheide! Sie hat Frankreich frei gemacht
Und selber frei muss sie ihr Herz verschenken.

LA HIRE
Da kommt der König!

............
............
DUNOIS
We have been bosom friends, comrades in arms;
drawing our swords in common cause, and in
adversity and death we stayed together.
Don't let a woman break the bond that has
outlasted every twist and turn of Fate.

LA HIRE
Prince, listen...

DUNOIS
La Hire! You are in love with Joan.
I know quite well what you intend to do:
to go at once to the King and ask him for
her hand as a reward - he hardly can
refuse your bravery what it deserves.
But hear this - rather than see her in the arms
of someone else, I would...


LA HIRE
.......................................Prince, let me speak!

DUNOIS
It's not the superficial pleasure of
the eye that draws me to her. I had never
been attracted by a woman; then I saw her,
the miracle-working girl whom God had sent
to save the country and to be my wife.
That was the moment when I swore by all
that I hold sacred, I would marry her.
None but the strong deserve the strong: my heart
burns with a longing to find rest upon
a kindred bosom which both understands
and can stand up to all its strength and power.

LA HIRE
I would never dare to weigh my poor deserts
against the power of your heroic name.
When Count Dunois enters the lists, then all
the competition may as well withdraw.
But can a low-born shepherdess be worthy
to sit beside you as a wife? Would not
the royal blood that flows in your veins
disdain to be so shamefully diluted?


DUNOIS
She is a child of God and Nature, just
as I am, and therefore of equal birth.
How could she disgrace a Prince's hand,
she who is wedded to the holy angels,
whose head is haloed with a brighter crown
than any on this earth, who sees the pomp
and circumstance of the world as dross beneath
her feet; pile all the thrones of all the kings
of all the earth on one another, till
they reach the stars, they would not reach the heights
where she reigns in angelic majesty!


LA HIRE
Then let the King decide.


DUNOIS
No! She must choose!
She has freed France, she must be free to give
her heart.

LA HIRE
The King!

............
............

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Trans. Copyright © Robert David MacDonald 1990 - publ. Oberon Books


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