DIE GROSSE NACHT VAST NIGHT
Rainer Maria Rilke trans. A.S.Kline


Oft anstaunt ich dich, stand an gestern begonnenem Fenster,
stand und staunte dich an. Noch war mir die neue
Stadt wie verwehrt, und die unüberredete Landschaft
finsterte hin, als wäre ich nicht. Nicht gaben die
nächsten Dinge sich Müh, mir verständlich zu sein. An der Laterne
drängte die Gasse herauf: ich sah, dass sie fremd war.
Drüben ein Zimmer, mitfühlbar, geklärt in der Lampe -,
schon nahm ich teil; sie empfandens, schlössen die Läden.
Stand. Und dann weinte ein Kind. Ich wusste die Mütter
rings in den Häusern, was sie vermögen, und wusste
alles Weinens zugleich die untröstlichen Gründe.
Oder es sang eine Stimme und reichte ein Stück weit
aus der Erwartung heraus, oder es hustete unten
voller Vorwurf ein Alter, als ob sein Körper im Recht sei
wider die mildere Welt. Dann schlug eine Stunde -,
aber ich zählte zu spät, sie fiel mir vorüber.
Wie ein Knabe, ein fremder, wenn man endlich ihn zulässt,
doch den Ball nicht fängt und keines der Spiele
kann, die die ändern so leicht aneinander betreiben,
dasteht und wegschaut, wohin? - stand ich, und plötzlich,
dass d u umgehst mit mir, spielest, begriff ich, erwachsene
Nacht, und staunte dich an. Wo die Türme
zürnten, wo abgewendeten Schicksals
eine Stadt mich umstand, und nicht zu erratende Berge
wider mich lagen, und im genäherten Umkreis
hungernde Fremdheit umzog das zufällige Flackern
meiner Gefühle: da war es, du Hohe,
keine Schande für dich, dass du mich kanntest. Dein Atem
ging über mich; dein aufweite Ernste verteiltes
Lächeln trat in mich ein.


I was often amazed by you, stood at the window begun
Yesterday, stood and was amazed. As yet the new
City was denied me, and the un-persuadable landscape
Darkened as though I were nothing. The nearest Things
Didn’t care if I understood them. And the street
Pressed on the lantern: I saw it was alien.
Over there – a room, sensed, clear in the lamplight.
Already I took part: they knew, closing the shutters.
Stood. And a child cried. I knew what the mothers
All around, in the houses, could do – and knew
As well the inconsolable root of all tears.
Or a voice sang out, and reached a little beyond
Expectation, or an old man below coughed
Full of reproach, as though his body was right
To oppose the gentler world. Then an hour struck –
But I began counting too late, and it fell past me –
Like a child, a stranger, finally allowed to play,
Who can’t catch the ball, no good at games
That the others all indulge in so deftly,
Stands there and stares – at what? Standing there, I
Suddenly grasped it was you surrounding me, playing,
Grown-up Night, and I wondered at you. Where towers
Raged, where, turned away from Fate, a city
Enclosed me, and un-guessed at mountains
Piled up against me, and strangeness, in narrowing
Circles, prowled around my random flickers
Of feeling – It was then, great one,
Unashamed yourself, that you knew me. Your breath
Passed over me. Your smile spreading across
Solemn distances, entered me.

Trans. copyright © A.S.Kline 2007


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