REQUIEM - aus "Für eine Freundin"REQUIEM - from "For a friend"
Rainer Maria Rilke trans. J.B.Leishman
Ich habe Tote, und ich liess sie hin
und war erstaunt, sie so getrost zu sehn,
so rasch zuhaus im Totsein, so gerecht,
so anders als ihr Ruf. Nur du, du kehrst
zurück; du streifst mich, du gehst um, du willst
an etwas stossen, dass es klingt von dir
und dich verrät. O nimm mir nicht, was ich
langsam erlern. Ich habe recht; du irrst,
wenn du gerührt zu irgendeinem Ding
ein Heimweh hast. Wir wandeln dieses um;
es ist nicht hier, wir spiegeln es herein
aus unserm Sein, sobald wir es erkennen.
Ich glaubte dich viel weiter. Mich verwirrts,
dass du gerade irrst und kommst, die mehr
verwandelt hat als irgendeine Frau.
Dass wir erschraken, da du starbst, nein, dass
dein starker Tod uns dunkel unterbrach
das Bisdahin abreissend vom Seither:
das geht uns an: das einzuordnen, wird
die Arbeit sein, die wir mit allem tun.
Doch dass du selbst erschrakst und auch noch jetzt
den Schrecken hast, wo Schrecken nicht mehr gilt,
dass du von deiner Ewigkeit ein Stück verlierst
und hier hereintrittst, Freundin, hier,
wo alles noch nicht ist; dass du zerstreut,
zum erstenmal im All zerstreut und halb,
den Aufgang der unendlichen Naturen
nicht so ergriffst wie hier ein jedes Ding;
dass aus dem Kreislauf, der dich schon empfing,
die stumme Schwerkraft irgendeiner Unruh
dich niederzieht zur abgezählten Zeit -:
dies weckt mich nachts oft wie ein Dieb, der einbricht.
.............
.............
I have my dead, and I would let them go
and be surprised to see them all so cheerful,
so soon at home in being-dead, so right,
so unlike their repute. You, you alone,
return; brush past me, move about, persist
in knocking something that vibratingly
betrays you. Oh, don't take from me what I
am slowly learning. I'm right; you're mistaken,
if you're disturbed into a home-sick longing
for something here. We transmute it all;
it's not here, we reflect it from ourselves,
from our own being, as soon as we perceive it.
I thought you'd got much further. It confounds me
that you should thus mistake and come, who passed
all other women so in transmutation.
That we were frightened when you died, or, rather,
that your strong death made a dark interruption,
tearing the till-then from the ever-since:
that is our business: to set that in order
will be the work that everything provides us.
But that you too were frightened, even now
are frightened, now, when fright has lost its meaning,
that you are losing some of your eternity,
even a little, to step in here, friend, here,
where nothing yet exists; that in the All,
for the first time distracted and half-hearted,
you did not grasp the infinite ascension
as once you grasped each single thing on earth;
that from the orbit that already held you
the gravitation of some mute unrest
should drag you down to measurable time:
this often wakes me like an entering thief.
.............
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Trans. Copyright © The Hogarth Press Ltd. 1960, 1964 - publ. New Directions Publishing Corp.


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