DAS KÄTHCHEN VON HEILBRONNORDEAL BY FIRE
Heinrich von Kleisttrans. Noel Clark
aus V. AUFZUG, 12. AUFTRITT
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DER GRAF VOM STRAHL:
(Indem er sie bei der Hand nimmt, und sich setzt.)
Nun denn, mein Käthchen, komm! komm her, o Mädchen!
Mein Mund hat jetzt dir etwas zu vertraun.

KÄTHCHEN:
Mein hoher Herr! Sprich! Was bedeutet mir -?

DER GRAF VOM STRAHL:
Zuerst, mein süsses Kind, muss ich dir sagen,
Dass ich mit Liebe dir, unsäglich, ewig,
Durch alle meine Sinne zugetan.
Der Hirsch, der von der Mittagsglut gequält,
Den Grund zerwühlt, mit spitzigem Geweih,
Er sehnt sich so begierig nicht,
Vom Felsen in den Waldstrom sich zu stürzen,
Den reissenden, als ich, jetzt, da du mein bist,
In alle deine jungen Reize mich.

KÄTHCHEN: (schamrot)
Jesus! Was sprichst du? Ich versteh dich nicht.

DER GRAF VOM STRAHL:
Vergib mir, wenn mein Wort dich oft gekränkt,
Beleidigt; meine roh misshandelnde
Gebärde dir zuweilen weh getan.
Denk ich, wie lieblos einst mein Herz geeifert,
Dich von mir wegzustossen - und seh ich gleichwohl jetzo dich
So voll von Huld und Güte vor mir stehn,
Sieh, so kommt Wehmut, Käthchen, über mich,
Und meine Tränen halt ich nicht zurück.
(Er weint.)

KÄTHCHEN: (ängstlich)
Himmel! Was fehlt dir? Was bewegt dich so?
Was hast du mir getan? Ich weiss von nichts.

DER GRAF VOM STRAHL:
O Mädchen, wenn die Sonne wieder scheint,
Will ich den Fuss in Gold und Seide legen,
Der einst auf meiner Spur sich wund gelaufen.
Ein Baldachin soll diese Scheitel schirmen,
Die einst der Mittag hinter mir versengt.
Arabien soll sein schönstes Pferd mir schicken,
Geschirrt in Gold, mein süsses Kind zu tragen,
Wenn mich ins Feld der Klang der Hörner ruft;
Und wo der Zeisig sich das Nest gebaut,
Der zwitschernde, in dem Holunderstrauch,
Soll sich ein Sommersitz dir auferbaun,
In heitere, weitverbreiteten Gemächern,
Mein Käthchen, kehr ich wieder, zu empfangen.

KÄTHCHEN:
Mein Friederich! Mein angebeteter!
Was soll ich auch von dieser Rede denken?
Du willst? - Du sagst? -
(Sie will seine Hand küssen.)

DER GRAF VOM STRAHL: (zieht sie zurück)
Nichts, nichts, mein süsses Kind.
(Er küsst ihre Stirn.)

KÄTHCHEN:
Nichts?

DER GRAF VOM STRAHL:
Nichts. Vergib. Ich glaubt, es wäre morgen.
Was wollt ich doch schon sagen? - Ja, ganz recht,
Ich wollte dich um einen Dienst ersuchen.


KÄTHCHEN: (kleinlaut)
Um einen Dienst? Nun, welchen? Sag nur an.

(Pause.)

DER GRAF VOM STRAHL:
Ganz recht. Das war's - Du weisst, ich mache morgen Hochzeit.
Es ist zur Feier alles schon bereitet;
Am nächsten Mittag bricht der Zug,
Mir meiner Braut bereits zum Altar auf.
Nun sann ich mir ein Fest aus, süsses Mädchen,
Zu welchem du die Göttin spielen sollst.
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from ACT V, SCENE 12
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VOM STRAHL:
(Taking her by the hand as he sits down)
Come, Katie! Come to me, my darling girl!
My lips have something to confide to you.

KATIE:
My noble lord! I fail to understand -

VOM STRAHL:
First dear girl, let me assure you now,
I love you! Love - unspeakable, eternal -
With all my senses, I devote to you!
A stag tormented by the noonday heat
Who with his pointed antlers scrapes the earth,
Is tempted no less grievously to plunge
From the rocks and breast the foaming rapids,
Than I am longing - now that you are mine -
To steep myself in all your youthful charms.

KATIE: (blushing)
My lord! What are you saying? I'm confused!

VOM STRAHL:
Forgive me if my words from time to time
Offended or insulted you; if my rough manners
Now and then, my sweet, caused you to suffer.
When I recall how, loveless, once I strove
To drive you from me - and now see you here,
Standing before me full of gentle virtue,
I'm overcome, dear Katie, by remorse
So keen that I cannot restrain my tears.
(Weeps)

KATIE: (Anxiously)
Heavens, what is it? Why are you so moved?
You never harmed me - not that I'm aware.

VOM STRAHL:
O Katie, when the sun once more is shining,
Then I shall sheath that foot in gold and silk
That once bled freely running in my wake.
A canopy shall shield that gentle brow,
Once scorched by noonday, following my trail.
And Araby shall send its finest steed,
Caparisoned in gold, to bear my dear one,
When trumpets summon me to take the field.
There, where the twittering finch once built its nest;
Among the elder bushes, I'll construct
A summer house with cheerful, roomy chambers,
To greet my darling girl when I return!


KATIE:
O Friedrich, whom I have so long adored,
What am I to make of this fine speech?
You want - ? You say that - ?
(Moves to kiss his hand)

VOM STRAHL: (Withdrawing it)
No, no, sweet child.
(Kisses her forehead)

KATIE:
No?

VOM STRAHL:
Not yet. I thought it was tomorrow.
What did I mean to ask you? Yes, I know!
I wanted to request a little service.
(Brushing away tears)

KATIE: (Softly)
What kind of service? You have but to name it!



VOM STRAHL:
Well, as you know, tomorrow I'll be wed;
And everything is ready for the feast.
At midday, the procession of the bride
With all her retinue will reach the altar.
Now I was thinking we might stage a masque,
In which you'd play the goddess, Katie dear.
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Trans. Copyright © Noel Clark 1997 - publ. Oberon Books


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