DER ABSCHIED - (Zweite Fassung THE PARTING - (Second version)
Friedrich Hölderlin trans. Jay Macpherson


Trennen wollten wir uns? wähnten es gut und klug?
..Da wirs taten, warum schröckte, wie Mord, die Tat?
....Ach! wir kennen uns wenig,
......         Denn es waltet ein Gott in uns.
 
Den verraten? ach ihn, welcher uns alles erst,
..   Sinn und Leben erschuf, ihn, den beseelenden
....      Schutzgott unserer Liebe,
......         Dies, dies Eine vermag ich nicht.
 
Aber anderen Fehl denket der Weltsinn sich,
..   Andern ehernen Dienst übt er und anders Recht,
....      Und es listet die Seele
......         Tag für Tag der Gebrauch uns ab.
 
Wohl! ich wußt' es zuvor. Seit die gewurzelte
..   Ungestalte, die Furcht Götter und Menschen trennt,
....      Muß, mit Blut sie zu sühnen,
......         Muß der Liebenden Herz vergehn.
 
Laß mich schweigen! o laß nimmer von nun an mich
..   Dieses Tödliche sehn, daß ich im Frieden doch
....      Hin ins Einsame ziehe,
......         Und noch unser der Abschied sei!
 
Reich die Schale mir selbst, daß ich des rettenden
..   Heilgen Giftes genug, daß ich des Lethetranks
....      Mit dir trinke, daß alles,
......         Haß und Liebe, vergessen sei!
 
Hingehn will ich. Vielleicht seh' ich in langer Zeit
..   Diotima! dich hier. Aber verblutet ist
....      Dann das Wünschen und friedlich
......         Gleich den Seligen, fremde gehn
 
Wir umher, ein Gespräch führet uns ab und auf,
..   Sinnend, zögernd, doch itzt mahnt die Vergessenen
....      Hier die Stelle des Abschieds,
......         Es erwarmet ein Herz in uns,

Staunend seh' ich dich an, Stimmen und süßen Sang,
..   Wie aus voriger Zeit, hör' ich und Saitenspiel,
....      Und die Lilie duftet
......         Golden über dem Bach uns auf.


We, we wanted to part? fancied it right and wise?
..As we did so, why did the action frighten, like murder?
....Ah, we know ourselves little,
......For there rules a god in us.
 
Him betray? Ah, him, who first created in us
..All our sense and life, him, the inspiring
....Guardian god of our love -
......This, this one thing I cannot do. 
 
But the world’s opinion lays a different blame,
..Follows a different, iron duty and law,
....And day by day
......Custom tricks us out of our souls.   
 
Well! I knew it before. Since the monstrous creature Fear
..Struck deep roots into life, severing gods and men,
....Must, with blood to appease it,
......The hearts of lovers must die.
 
Let me be silent! Eh let me never from now on
..See that deadly things, that I may yet in peace     
....Depart, into solitude,
......And the parting still be ours!   
 
Reach me the cup yourself, that I of the saving
..Holy poison enough, that I the Lutheran draught
....May drink with you, that all,
......Hatred and love, be forgotten!
 
Let me depart. Perhaps, years hence, I’ll see you yet
..Diotima! Our day. But then bled dry
....Will be desire, and at peace,
...... Like souls in bliss, we shall walk. 
 
As strangers, talk leading us back and forth,
..Thoughtful, lingering - yet now here the place of our parting
....Recalls forgotten things,
......In us a heart grows warm -  
 
Amazed I look at you, voices and sweet song
..As from earlier time I hear, and sound of strings,
....And the lily’s fragrance
......Comes to us golden across the stream.

Trans. copyright © Jay Macpherson

next
index
translator's next