AN MEINE MUTTER B.HEINE SONNETS TO MY MOTHER, B.HEINE
Heinrich Heine trans. Emma Lazarus
I

Ich bin's gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen,
Mein Sinn ist auch ein bisschen starr und zähe;
Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe,
Ich würde nicht die Augen niederschlagen.

Doch, liebe Mutter, offen will ich's sagen:
Wie mächtig auch mein stolzer Mut sich blähe,
In deiner selig süssen, trauten Nähe
Ergreift mich oft ein demutvolles Zagen.

Ist es dein Geist, der heimlich mich bezwinget,
Dein hoher Geist, der alles kühn durchdringet
Und blitzend sich zum Himmelslichte schwinget

Quält mich Erinnerung, dass ich verübet
So manche Tat, die dir das Herz betriibet?
Das schöne Herz, das mich so sehr geliebet!



II

Im tollen Wahn hatt' ich dich einst verlassen;
Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende
Und wollte sehn, ob ich die Liebe fände,
Um liebevoll die Liebe zu umfassen.

Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,
Vor jeder Türe streckt' ich aus die Hände
Und bettelte um g'ringe Liebesspende
Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.

Und immer irrte ich nach Liebe, immer
Nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer
Und kehrte um nach Hause, krank und trübe.

Doch da bist du entgegen mir gekommen,
Und ach! was da in deinem Aug' geschwommen,
Das war die süsse, langgesuchte Liebe.
I

I have been wont to bear my forehead high -
My stubborn temper yields with no good grace.
The king himself might look me in the face,
And yet I would not downward cast mine eye.

But I confess, dear mother, openly,
However proud my haughty spirit swell,
When I within thy blessed presence dwell,
Oft am I smit with shy humility.

Is it thy soul, with secret influence,
Thy lofty soul piercing all shows of sense,
Which soareth, heaven-born, to heaven again?

Or springs it from sad memories that tell
How many a time I caused thy dear heart pain,
Thy gentle heart, that loveth me so well!



II

In fond delusion once I left thy side;
Unto the wide world's end I fain would fare,
To see if I might find Love anywhere,
And lovingly embrace Love as a bride.

Love sought I in all paths, at every gate;
Oft and again outstretching suppliant palms,
I beggged in vain of Love the slightest alms,
But the world laughed and offered me cold hate.

Forever I aspired towards Love, forever
Towards Love, and ne'ertheless I found Love never, -
And sick at heart, homeward my steps did move.

And lo! thou comest forth to welcome me;
And that which in thy swimming eyes I see,
That is the precious, the long-looked-for Love.

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