VENEZIANISCHE EPIGRAMME - IVENETIAN EPIGRAMS I
Johann Wolfgang von Goethetrans. A. S. Kline
Sarkophagen und Urnen verzierte der Heide mit Leben:
Faunen tanzen umher, mit der Bacchantinnen Chor
Machen sie bunte Reihe; der ziegengefüssete Pausback
Zwingt den heiseren Ton wild aus dem schmetternden Horn,
Cymbeln, Trommeln erklingen; wir sehen und hören den
Marmor.
Flatternde Vögel, wie schmeckt herrlich dem Schnabel die
Frucht!
Euch verscheuchet kein Lärm, noch weniger scheucht er den
Amor,
Der in dem bunten Gewühl erst sich der Fackel erfreut.
So überwältiget Fülle den Tod; und die Asche da drinnen
Scheint, im stillen Bezirk, noch sich des Lebens zu freun.
So umgebe denn spät den Sarkophagen des Dichters
Diese Rolle, von ihm reichlich mit Leben geschmückt.
Sarcophagi, urns, were all covered with lifelike scenes,
fauns dancing with girls from a Bacchanalian choir,
paired-off, goat-footed creatures puffing their cheeks,
forcing ear-splitting notes from the blaring horns.
Cymbals and drumbeats, the marble is seen and is heard.

How delightful the fruit in the beaks of fluttering birds!

No startling noise can scare them, or scare away love,

Amor, whose torch waves more gladly in this happy throng.
So fullness overcomes death, and the ashes within
seem still, in their silent house, to feel love’s delight.
So may the Poet’s sarcophagus be adorned,
with this book the writer has filled with the beauty of life.

Trans. Copyright © A. S. Kline 2002


next
index
translator's next