TORQUATO TASSO - V.1 TASSO - Act V
Johann Wolfgang von Goethe tr. Robert David MacDonald
ANTONIO:
Auf deinen Wink ging ich das zweitemal
Zu Tasso hin, ich komme von ihm her.
Ich hab' ihm zugeredet, ja gedrungen,
Allein er geht von seinem Sinn nicht ab,
Und bittet sehnlich dass du ihn nach Rom
Auf eine kurze Zeit entlassen mögest.

ALPHONS:
Ich bin verdriesslich, dass ich dir's gestehe,
Und lieber sag ich dir dass ich es bin,
Als dass ich den Verdruss verberg' und mehre.
Er will verreisen; gut, ich halt' ihn nicht,
Er will hinweg, er will nach Rom, es sei!
Nur dass mir Scipio Gonzaga nicht,
Der kluge Medicis ihn nicht entwende!
Das hat Italien so gross gemacht
Dass jeder Nachbar mit dem andern streitet
Die Bessern zu besitzen, zu benutzen.
Ein Feldherr ohne Heer scheint mir ein Fürst,
Der die Talente nicht um sich versammelt.
Und wer der Dichtkunst Stimme nicht vernimmt
Ist ein Barbar, er sei auch wer er sei.
Gefunden hab' ich diesen und gewählt,
Ich bin auf ihn als meinen Diener stolz
Und da ich schon für ihn so viel getan,
So möcht' ich ihn nicht ohne Not verlieren.

ANTONIO:
Ich bin verlegen, denn ich trage doch
Vor dir die Schuld von dem was heut geschah;
Auch will ich meinen Fehler gern gestehn,
Er bleibet deiner Gnade zu verzeihn;
Doch wenn du glauben könntest dass ich nicht
Das mögliche getan ihn zu versöhnen,
So würd' ich ganz untröstlich sein. Oh! sprich
Mit holdem Blick mich an, damit ich wieder
Mich fassen kann, mir selbst vertrauen mag.

ALPHONS:
Antonio nein, da sei nur immer ruhig,
ich schreib es dir auf keine Weise zu;
Ich kenne nur zu gut den Sinn des Mannes,
Und weiss nur allzuwohl was ich getan,
Wie sehr ich ihn geschont, wie sehr ich ganz
Vergessen, dass ich eigentlich an ihn
Zu fordern hätte. Über vieles kann
Der Mensch zum Herrn sich machen, seinen Sinn
Bezwinget kaum die Not und lange Zeit.
............
............
ANTONIO:
I spoke to Tasso, for the second time,
at your suggestion. I've just come from him.
He will not change his mind, and still insists
you give him leave to go away to Rome.



DUKE:
I've seldom been so vexed with anyone:
I must admit, and better admit to you
than anybody else, or I'll be angrier.
He wants to leave? Good. I shall not detain him.
He wants to go away? To Rome? So be it.
Just let's ensure that Scipio Gonzaga,
that devious Medici does not contrive
to steal him from me. That is what has made
Italy great, the rivalry of neighbours,
to get the best men and make the best use of them.
A Prince who fails to gather talent round him,
is like a general without an army;
the man whose mind will not respond to art, is
a barbarian, I dont care who he is.
As far as Tasso is concerned, I found him,
I'm proud to have him in my household, and
considering what I've done for him already,
I've no intention now of losing him.

ANTONIO:
I feel somewhat embarrassed, as I was
partly to blame for what took place today.
But, as for my effecting a rapprochement,
I hope you will believe I did my best.







DUKE:
No, rest assured, Antonio, I never
held any of this against you. I well know
the nature of the boy, and what I did,
how much I shielded him, how much ignored
his own responsibility in the matter.
We can master many things within ourselves,
but neither time nor cruel necessity
will ever change the way we really are.
............
............

Trans. Copyright © Robert David MacDonald 1990 - publ. Oberon Books


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