TORQUATO TASSO - III.4TASSO - Act III
Johann Wolfgang von Goethetr. Robert David MacDonald
LEONORE:
Du bringst uns Krieg statt Frieden; scheint es doch
Du kommst aus einem Lager, einer Schlacht,
Wo die Gewalt regiert, die Faust entscheidet,
Und nicht von Rom, wo feierliche Klugheit
Die Hände segnend hebt, und eine Welt
Zu ihren Füssen sieht, die gern gehorcht.

ANTONIO:
Ich muss den Tadel, schöne Freundin, dulden,
Doch die Entschuld'gung liegt nicht weit davon.
Es ist gefährlich wenn man allzulang
Sich klug und mässig zeigen muss. Es lauert
Der böse Genius dir an der Seite
Und will gewaltsam auch von Zeit zu Zeit
Ein Opfer haben. Leider hab ich's diesmal
Auf meiner Freunde Kosten ihm gebracht.

LEONORE:
Du hast um fremde Menschen dich so lang
Bemüht und dich nach ihrem Sinn gerichtet:
Nun, da du deine Freunde wieder siehst,
Verkennst du sie und rechtest wie mit Fremden.

ANTONIO:
Da liegt, geliebte Freundin, die Gefahr!
Mit fremden Menschen nimmt man sich zusammen.
Da merkt man auf, da sucht man seinen Zweck
In ihrer Gunst, damit sie nutzen sollen.
Allein bei Freunden lässt man frei sich gehn,
Man ruht in ihrer Liebe, man erlaubt
Sich eine Laune, ungezähmter wirkt
Die Leidenschaft, und so verletzen wir
Am ersten die, die wir am zartsten lieben.

LEONORE:
In dieser ruhigen Betrachtung find' ich dich
Schon ganz, mein teurer Freund, mit Freuden wieder.

ANTONIO:
Ja, mich verdriesst - und ich bekenn' es gern -
-Dass ich mich heut so ohne Mass verlor.
Allein gestehe, wenn ein wackrer Mann
Mit heisser Stirn von saurer Arbeit kommt
Und spät am Abend in ersehntem Schatten
Zu neuer Mühe auszuruhen denkt,
Und findet dann von einem Müssiggänger
Den Schatten breit besessen, soll er nicht
Auch etwas menschliches in dem Busen fühlen?

LEONORE:
Wenn er recht menschlich ist, so wird er auch
Den Schatten gern mit einem Manne teilen,
Der ihm die Ruhe süss, die Arbeit leicht
Durch ein Gespräch durch holde Töne macht.
Der Baum ist breit, mein Freund, der Schatten gibt,
Und keiner braucht den andern zu verdrängen.
............
............
............
............
(Enter Antonio)
LEONORA:
It seems that you have brought us war, not peace.
One might have thought you came here from a battle,
a camp, where violence rules, where fisticuffs
decide things, not from Rome, where Civilisation
kneels willingly to hear and to obey.


ANTONIO:
I must accept your criticism, Countess,
but what you say is, in fact, mv excuse.
Diplomacy and politics can be
dangerously exhausting in the long run.
Ones evil angel, lurking at one's side,
demands a sacrifice from time to time:
- this time, unhappily, at a friend's expense.


LEONORA:
You've been abroad too long: you have adopted
foreigners' manners. Now you're back with us
you treat us all as strangers.


ANTONIO:
That's the danger.
With foreigners one pulls oneself together,
pays more attention to the little things,
seeking all the time in their behaviour
the things that one may use to one's advantage:
with friends one takes less care, one lets them see
one's moodiness, relying on their love,
and all at once one's temper slips the leash,
and so we injure those we love the most.

LEONORA:
That sounds more like the old Antonio.


ANTONIO:
I hate myself for what took place today.
But when one comes back from a galling job,
"breathless and faint, leaning upon one's sword",
and finds some idler lying in the shade,
where one was looking forward to a rest,
"out of one's grief and one's impatience,
one says neglectingly, one knows not what".
Or is one to be allowed no human feelings?


LEONORA:
If one were really human, one'd be glad
to share the shade with someone else, especially
someone who makes both rest sweet and work easy
with conversation and with music. Come, admit,
the tree is broad, there's room enough for all.
............
............





Trans. Copyright © Robert David MacDonald 1990 - publ. Oberon Books


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