TORQUATO TASSO - I.3TASSO - Act I
Johann Wolfgang von Goethetr. Robert David MacDonald
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TASSO:
(Mit einem Buche in Pergament geheftet)
Ich komme langsam dir ein Werk zu bringen,
Und zaudre noch es dir zu überreichen.
Ich weiss zu wohl, noch bleibt es unvollendet
Wenn es auch gleich geendigt scheinen möchte.
Allein, war ich besorgt es unvollkommen
Dir hinzugeben, so bezwingt mich nun
Die neue Sorge: Möcht' ich doch nicht gern
Zu ängstlich, möcht' ich nicht undankbar scheinen.
Und wie der Mensch nur sagen kann: Hie bin ich!
Dass Freunde seiner schonend sich erfreuen:
So kann ich auch nur sagen: Nimm es hin!
(Er übergibt den Band)

ALPHONS:
Du überraschest mich mit deiner Gabe
Und machst mir diesen schönen Tag zum Fest.
So halt ich's endlich denn in meinen Händen,
Und nenn' es in gewissem Sinne mein!
Lang wünscht' ich schon, du möchtest dich entschliessen
Und endlich sagen: Hier! es ist genug.

TASSO:
Wenn Ihr zufrieden seid, so ist's vollkommen;
Denn euch gehört es zu in jedem Sinn.
Betrachtet' ich den Fleiss den ich verwendet,
Sah ich die Züge meiner Feder an,
So konnt ich sagen: dieses Werk ist mein.
Doch seh ich näher an, was dieser Dichtung
Den innren Wert und ihre Würde gibt,
Erkenn' ich wohl, ich hab' es nur von euch.
Wenn die Natur der Dichtung holde Gabe
Aus reicher Willkür freundlich mir geschenkt,
So hatte mich das eigensinn'ge Glück
Mit grimmiger Gewalt von sich gestossen:
Und zog die schöne Welt den Blick des Knaben
Mit ihrer ganzen Fülle herrlich an,
So trübte bald den jugendlichen Sinn
Der teuren Eltern unverdiente Not.
Eröffnete die Lippe sich zu singen,
So floss ein traurig Lied von ihr herab,
Und ich begleitete mit leisen Tönen
Des Vaters Schmerzen und der Mutter Qual.
Du warst allein der aus dem engen Leben
Zu einer schönen Freiheit mich erhob;
Der jede Sorge mir vom Haupte nahm,
Mir Freiheit gab dass meine Seele sich
Zu mutigem Gesang entfalten konnte;
Und welchen Preis nun auch mein Werk erhält,
Euch dank ich ihn, denn Euch gehört es zu.
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TASSO:
(entering with a parchment-bound volume)
I hesitate to bring you this, and hardly
can bring myself to part with it. I know
it's still unfinished, even if it looks
complete. My first concern was not to give
it to you incomplete, now I'm concerned
at seeming too concerned, or too ungrateful.
And as a man will throw himself upon
the mercy of his friends, saying "Here I am",
so I say "Here it is": and please accept it.




DUKE:
You overwhelm me. A red-letter day!
At last I hold it in my hands, my work,
as in a sense it is. I never thought
I'd live to see the day when you'd at last
decide to say "It's finished. Here it is."


TASSO:
If you are satisfied, it is complete -
since it is yours, in every sense. The work
I put into it, the handwriting, are mine:
but, looking closer, all that gives it value,
I realise I have from you alone.
If Nature chose to favour me with talent,
Fortune perversely chose to treat me harshly.
When I was young the beauty of the world
attracted me, but all the time I had
to think about our poverty at home.
My parent's sufferings made every song
I sang a dirge. You saved me from all that,
freed me from deprivation, and removed
the weight of worry from my shoulders, gave me
not only freedom for my talent to develop,
but also courage to allow it to.
Whatever prize my work can win belongs
to you alone, and I must thank you for it.
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Trans. Copyright © Robert David MacDonald 1990 - publ. Oberon Books


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