FAUST, 2. TEILFAUST, PART 1.
Johann Wolfgang von Goethetrans. A. S. Kline
Aus dem 1. Auftritt: Anmutige Gegend

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FAUST
Des Lebens Pulse schlagen frisch lebendig,
ätherische Dämmerung milde zu begrüssen;
Du, Erde, warst auch diese Nacht beständig
Und atmest neu erquickt zu meinen Füssen,
Beginnest schon, mit Lust mich zu umgeben,
Du regst und rührst ein kräftiges Beschliessen,
Zum höchsten Dasein immerfort zu streben. -
In Dämmerschein liegt schon die Welt erschlossen,
Der Wald ertönt von tausendstimmigem Leben,
Tal aus, Tal ein ist Nebelstreif ergossen,
Doch senkt sich Himmelsklarheit in die Tiefen,
Und Zweig und äste, frisch erquickt, entsprossen
Dem duft'gen Abgrund, wo versenkt sie schliefen;
Auch Farb' an Farbe klärt sich los vom Grunde,
Wo Blum' und Blatt von Zitterperle triefen -
Ein Paradies wird um mich her die Runde.
Hinaufgeschaut! - Der Berge Gipfelriesen
Verkünden schon die feierlichste Stunde;
Sie dürfen früh des ewigen Lichts geniessen,
Das später sich zu uns hernieder wendet.
Jezt zu der Alpe grüngesenkten Wiesen
Wird neuer Glanz und Deutlichkeit gespendet,
Und stufenweis herab ist es gelungen; -
Sie tritt hervor! - und, leider schon geblendet,
Kehr' ich mich weg, vom Augenschmerz durchdrungen.
So ist es also, wenn ein sehnend Hoffen
Dem höchsten Wunsch sich traulich zugerungen,
Erfüllungspforten findet flügeloffen;
Nun aber bricht aus jenen ewigen Gründen
Ein Flammenübermass, wir stehn betroffen;
Des Lebens Fackel wollten wir entzünden,
Ein Feuermeer umschlingt uns, welch ein Feuer!
Ist's Lieb'? ist's Hass? die glühend uns umwinden,
Mit Schmerz und Freuden wechselnd ungeheuer,
So dass wir wieder nach der Erde blicken,
Zu bergen uns in jugendlichstem Schleier.
So bleibe denn die Sonne mir im Rücken!
Der Wassersturz, das Felsenriff durchbrausend,
Ihn schau' ich an mit wachsendem Entzücken.
Von Sturz zu Sturzen wälzt er jetzt in tausend,
Dann abertausend Strömen sich ergiessend,
Hoch in die Lüfte Schaum an Schäume sausend.
Allein wie herrlich, diesem Sturm erspriessend,
Wölbt sich des bunten Bogens Wechseldauer,
Bald rein gezeichnet, bald in Luft zerfliessend,
Umher verbreitend duftig kühle Schauer.
Der spiegelt ab das menschliche Bestreben.
Ihm sinne nach, und du begreifst genauer:
Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.
From Scene 1: A pleasant landscape

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FAUST
Life’s pulses beating now, with new existence,
Greet the mild ethereal half-light round me:
You, Earth, stood firm tonight, as well: I sense
Your breath is quickening all the things about me,
Already, with that joy you give, beginning
To stir the strengthening resolution in me,
That strives, forever, towards highest Being. -
Now the world unfolds, in half-light’s gleam,
The wood’s alive, its thousand harmonies singing,
While through the valleys, misted ribbons stream:
And heavenly light now penetrates the deep:
Twigs, branches shoot, with fresher life it seems,
From fragrant gulfs, where they were sunk in sleep:
Colour on colour lifts now from the ground,
As leaf and flower with trembling dewdrops weep -
And a paradise reveals itself, all round.
Gaze upwards! - The vast mountain heights
Already with the solemn hour resound:
They are the first to enjoy the eternal light
That later, for us, will work its way below.
Now, to the sloping Alpine meadows bright,
It gives a fresh clarity, a newer glow,
And step by step it reaches us down here: -
It blazes out! - Ah, already blinded, though
I turn away, my eyesight wounded, pierced.
So it is, when to the thing we yearn for
The highest wish so intimately rehearsed,
We find fulfilment opening wide the door:
And then, from eternal space, there breaks
A flood of flame, we stand amazed before:
We wished to set the torch of life ablaze,
A sea of fire consumes us, and such fire!
Love, is it, then? Or hate? This fierce embrace,
The joy and pain of alternating pyres,
So that, gazing back to earth again,
We seek to veil ourselves in youth’s desire.
Let the sun shine on, behind me, then!
The waterfall that splits the cliffs’ broad edge,
I gaze at with a growing pleasure, when
A thousand torrents plunge from ledge to ledge,
And still a thousand more pour down that stair,
Spraying the bright foam skywards from their beds.
And in lone splendour, through the tumult there,
The rainbow’s arch of colour, bending brightly,
Is clearly marked, and then dissolved in air,
Around it the cool showers, falling lightly.
There the efforts of mankind they mirror.
Reflect on it, you’ll understand precisely:
We live our life amongst refracted colour.

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Trans. Copyright © A. S. Kline 2003


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