from "PARZIVAL" from "PARSIFAL" - Chapter 1
Wolfram von Eschenbach trans. A.T.Hatto
Wohnt dir der Zweifel Haus bei Haus,
das schlägt der Seele bitter aus. -
Als Schmach und Augenweide
geht in gestreiftem Kleide
unverzagter Mannesmut,
wie es Elsterngefieder tut.
Dennoch findet der sein Heil,
denn an ihm hat beides teil,
der Himmel und die Hölle.
Des Wankelmuts Geselle
trägt das Schwarz ganz und gar
und bleibt auch finster immerdar.
Doch weiß ist ohne Fehle
die beständige Seele.

Dies flüchtige Merkwort
fliegt Toren allzu schnelle fort,
sie können es nicht erjagen,
denn es wird Haken schlagen
wie ein aufgescheuchter Hase.
Zinn, hinterm Spiegelglase
verlötet, und des Blinden Traum
zeigt vom Gesicht Rauch und Schaum,
jedoch beständig kann nicht sein
dieser trübe, vage Schein;
er gibt nur kurzes Glück fürwahr.
Wer rauft mich dort, wo nie ein Haar
mir wuchs, innen in meiner Hand?
Dem ist ein Meistergriff bekannt!
Fürcht' ich das und schreie "Ach",
das sehe man meiner Torheit nach!
Will ich Treue finden
da, wo sie muß verschwinden
wie Feuer in dem Bronnen
und der Tau an der Sonnen? -
Zwar fand ich keinen Klugen noch,
der es nicht gern erführe doch,
zu welchem Ziel diese Märe fährt
und was für Lehren sie gewährt;
denn nimmer läßt sie es ja bleiben
zu fliehen oder voranzutreiben,
zu weichen und umzukehren,
zu tadeln, zu ehren.
Wer all diesen Chancen folgen kann,
ist an Verstand der rechte Mann -:
der sich nicht versitzt und nicht vergeht,
der sich vielmehr - recht versteht!
Wer dem Falsch sich zugewandt,
taugt nur in den Höllenbrand,
er verhagelt hohen Lebens Glanz.
Seine Stete hat so kurzen Schwanz,
daß sie kaum den dritten Stich verwehrt,
wenn sie vor Bremsen zu Walde fährt.

Diese Unterschiede, wie mans nimmt,
sind nicht nur für den Mann bestimmt.
Auch der Frau steck' ich gleiches Ziel.
Die meinen Rat erkennen will,
sollte wissen, wohin sie kehre
ihren Preis und die Ehre,
und wem sie endlich dann beschert
Minne und ihres Lebens Wert,
daß sie hernach nicht reue
ihre Keuschheit und Treue.
Ich bitte für sie vor Gott dabei,
daß rechtes Maß ihr Richte sei.
Scham ist das Schloß vor aller Sitte.
Dies Heil ist's, das ich ihr erbitte.
Die Schlechte findet schlechten Preis.
Wie treu ist das dünne Eis,
das in dem heißen Juliwind
so wie ihr schwacher Ruhm zerrinnt? -
Schönheit hat oft zum Ruhm geführt;
doch ist das Herz imitiert,
so rühm' ichs, wie ich sollte
Glasfluß, gefaßt in Golde.
Das nähm' ich nicht als billig Ding,
hat man in schlechtes Messing
den adligen Rubin gelegt
und was sich zaubrisch in ihm regt.
Er ist der Frauen rechtes Bild.
Die ihr Frau-Sein recht erfüllt,
wäg' ich noch ihrem Aussehn nicht,
nach ihres Herzens Außenschicht.
Wenn ihr Inneres der Schande wehrt,
so ist, was rühmlich, nicht versehrt.
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............



If vacillation dwell with the heart the
soul will rue it. Shame and honour
clash where the courage of a
steadfast man is motley like the
magpie. But such a man may yet
make merry, for Heaven and Hell
have equal part in him. Infidelity's
friend is black all over and takes on a
murky hue, while the man of loyal
temper holds to the white.




This winged comparison is too swift
for unripe wits. They lack the power
to grasp it. For it will wrench past
them like a startled hare! So it is with
a dull mirror or a blind man's dream.
These reveal faces in dim outline: but
the dark image does not abide, it
gives but a moment's joy. Who
tweaks my palm where never a hair
did grow? He would have learnt
close grips indeed! Were I to cry
'Oh !' in fear of that it would mark
me as a fool. Shall I find loyalty
where it must vanish, like fire in a
well or dew in the sun? On the other
hand I have yet to meet a man so
wise that he would not gladly know
what guidance this story requires,
what edification it brings. The tale
never loses heart, but flees and
pursues, turns tail and wheels to the
attack and doles out blame and
praise. The man who follows all
these vicissitudes and neither sits too
long nor goes astray and otherwise
knows where he stands has been
well served by mother wit. Feigned
friendship leads to the fire, it
destroys a man's nobility like hail. Its
loyalty is so short in the tail that if it
meet in the wood with gadflies it will
not quit a bite in three.






These manifold distinctions do not all
relate to men. I shall set these marks
as a challenge to women. Let any
who would learn from me beware to
whom she takes her honour and
good name, beware whom she
makes free of her love and precious
person, lest she regret the loss of
both chastity and affection. With
God as my witness I bid good
women observe restraint. The lock
guarding all good ways is modesty - I
need not wish them any better
fortune. The false will gain a name
for falsity. - How lasting is thin ice in
August's torrid sun? Their credit will
pass as soon away. The beauty of
many has been praised far and wide;
but if their hearts be counterfeit I
rate them as I should a bead set in
gold. But I do not reckon it a tawdry
thing when the noble ruby with all its
virtues is fashioned into base brass,
for this I would liken to the spirit of
true womanhood. When a woman
acts to the best of her nature you will
not find me surveying her
complexion or probing what shields
her heart: if she be well proofed
within her breast her good name is
safe from harm.

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Trans. Copyright © A.T.Hatto 1980


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