AN DIE SOLDATEN DES GROSSEN KRIEGESTO THE SOLDIERS OF THE GREAT WAR
Gerrit Engelketrans. Merryn Williams
In memoriam August Deppe

Herauf! aus Gräben, Lehmhöhlen, Betonkellern, Steinbrüchen!
Heraus aus Schlamm und Glut, Kalkstaub und Aasgerüchen!
Herbei! Kameraden! Denn von Front zu Front, von Feld zu
Feld
Komme euch allen der neue Feiertag der Welt!
Stahlhelme ab, Mützen, Käppis! und fort die Gewehre!

Genug der blutbadenden Feindschaft und Mordehre!

Euch alle beschwör ich bei eurer Heimat Weilern und Städten,
Den furchtbaren Samen des Hasses auszutreten, zu jäten,
Beschwöre euch bei eurer Liebe zur Schwester, zur Mutter,
zum Kind,
Die allein euer narbiges Herz noch zum Singen stimmt.
Bei eurer Liebe zur Gattin - auch ich liebe ein Weib!
Bei eurer Liebe zur Mutter - auch mich trug ein Mutterleib!
Bei eurer Liebe zum Kinde - denn ich liebe die Kleinen!
Und die Häuser sind voll von Fluchen, Beten, Weinen!

Lagst du bei Ypern, dem zertrümmerten? Auch ich lag dort.
Bei Mihiel, dem verkümmerten? Ich war an diesem Ort.
Dixmuide, dem umschwemmten? Ich lag vor deiner Stirn
In Höllenschluchten Verduns, wie du in Rauch und Klirrn;
Mit dir im Schnee vor Dünaburg, frierend, immer trüber,
An der leichenfressenden Somme lag ich dir gegenüber.
Ich lag dir gegenüber überall, doch wusstest du es nicht!
Feind an Feind, Mensch an Mensch und Leib an Leib,
warm und dicht,

Ich war Soldat und Mann und Pflichterfüller, so wie du,
Dürstend, schlaflos, krank - auf Marsch und Posten immerzu.
Stündlich vom Tode umstürzt, umschrien, umdampft,
Stündlich an Heimat, Geliebte, Geburtsstadt gekrampft
Wie du und du und ihr alle. -
Reiss auf deinen Rock! Entblösse die Wölbung der Brust!
Ich sehe den Streifschuss von fünfzehn, die schorfige Krust,
Und da an der Stirn vernähten Schlitz vom Sturm bei Tahüre -
Doch dass du nicht denkst, ich heuchle, vergelt' ich mit
gleicher Gebühr:
Ich öffne mein Hemd: hier ist noch die vielfarbige Narbe
am Arm!
Der Brandstempel der Schlacht! von Sprung und Alarm,
Ein zärtliches Andenken lang nach dem Kriege.
Wie sind wir doch stolz unsrer Wunden! Stolz du der deinigen,
Doch nicht stolzer als ich auch der meinigen.

Du gabst nicht besseres Blut und nicht rötere Kraft,
Und der gleiche zerhackte Sand trank unsern Saft! -
Zerschlug deinen Bruder der grässliche Krach der Granate?
Fiel nicht dein Onkel, dein Vetter, dein Pate?
Liegt nicht der bärtige Vater verscharrt in der Kuhle?
Und dein Freund, dein lustiger Freund aus der Schule? -
Hermann und Fritz, meine Vettern, verströmten im Blute,
Und der hilfreiche Freund, der Jüngling, der blonde und gute.
Und zu Hause wartet sein Bett, und im ärmlichen Zimmer
Seit sechzehn, seit siebzehn die gramgraue Mutter noch immer.
Wo ist uns sein Kreuz und sein Grab! -

............
............




Rise up! Out of trenches, muddy holes, bunkers, quarries!
Up out of mud and fire, chalk dust, stench of bodies!
Off with your steel helmets! Throw your rifles away!
Enough of this murderous enmity!










Do you love a woman? So do I.
And have you a mother? A mother bore me.
What about your child? I too love children.
And the houses reek of cursing, praying, weeping.

Were you at ruined Ypres? I was there too.
At stricken Mihiel? I was opposite you.
I was there at Dixmuide, surrounded by floods,
At hellish Verdun, in the smoke and the crowds;
Freezing, demoralised, in the snow,
At the corpse-ridden Somme I was opposite you.
I was facing you everywhere, but you did not know it!
Body is piled on body. Poet kills poet.


I was a soldier. I did my job.
Thirsty, sick, yawning, on the march or on guard,
Surrounded by death and missmg home -
And you - were your feelings so unlike mine?
Tear open your tunic! Let's see your bare skin;
I know that old scar from 1915,
And there on your forehead the stitched-up gash.
But so you won't think my pain is less,
I open my shirt, here's my discoloured arm!
Aren't we proud of our wounds, your wounds and mine?







You did not give better blood or greater force,
And the same churned-up sand drank our vital juice.
Did your brother die in the blast of that shell?
Did your uncle or your classmate fall?
Does not your bearded father lie in his grave?
Hermann and Fritz, my cousins, bled to death.
And my young, fair-haired friend, always helpful and good,
His home is still waiting, and his bed.
His mother has waited since 1916,
Where is his cross and his grave?



............
............


Trans. Copyright © Merryn Williams 2003


next
index
translator's next