DIE WEINENDE BRAUT THE WEEPING BRIDE
Joseph von Eichendorff trans. Joy Sarah Buchanan
Du warst so herrlich anzuschauen,
So kühn und wild und doch so lieb,
Dir musst' ich Leib und Seel' vertrauen,
Ich mocht' nichts mehr, das meine blieb!
Da hast du, Falscher, mich verlassen
Und Blumen, Lust und Frühlingsschein,
Die ganze Welt sah ich erblassen,
Ach Gott, wie bin ich nun allein!

Wohl jahrlang sah ich von den Höhen
Und grüsste dich viel tausendmal,
Und unten sah ich viele gehen,
Doch du erschienst nicht in dem Tal,
Und mancher Lenz mit bunten Scherzen
Kam und verflog im lust’gen Lauf,
Doch ach, in dem betrognen Herzen
Geht niemals mehr der Frühling auf

Ein Kränzlein trag' ich nun im Haare,
In reichen Kleidern schön geschmückt,
Führt mich ein andrer zum Altare,
Die Eltern sind so hoch beglückt.
Und fröhlich kann ich mich wohl zeigen,
Die Sonne hell wie damals scheint,
Und vor dem Jauchzen und dem Geigen
Hört keiner, wie die Braut still weint.

Die Frühlingslieder neu beginnen -
Du kehrst nach manchem Jahr zurück,
Und stehest still, dich zu besinnen,
Wie auf ein längstvergangnes Glück.
Doch wüst verwachsen liegt der Garten,
Das Haus steht lange still und leer,
Kein Lieb will dein am Fenster warten,
Und dich und mich kennt niemand mehr.

Doch eine Lerche siehst du steigen
Vom Tal zum blauen Himmelsport,
Ein Bächlein rauschet da so eigen,
Als weinte es in einem fort.
Dort haben sie mich hingetragen,
Bedeckten mir mit Stein den Mund -
Nun kann ich dir nicht einmal sagen,
Wie ich dich liebt' aus Herzensgrund.
You were so handsome to behold,
So bold and wild, but oh so kind,
I could but entrust you body and soul,
I wanted nothing I left behind!
But you, false lover, deserted me
The flowers, spring, and love's sweet moan
The whole world fading fast I see,
Oh God, I'm so alone!

Year for year I've watched from on high
And called a thousand greetings to you,
Down far below so many passed by,
But in the valley, no sign of you.
And many springs in full colour arrayed
Have come and gone in jocular vein,
But oh, I know, for a heart betrayed
Spring cannot come again.

Now with a garland my hair I cover,
Adorned in the richest finery,
To the altar guides some other lover,
The parents beside themselves with glee.
Well, I can feign some gaiety,
The sun as then brightly shining,
For above violins and festivity
Is heard not the bride's silent crying.

The songs of spring begin anew -
You have retumed after many a year,
Now standing quietly to review,
A long forgotten past held dear.
But the garden is all desolate,
The house stands silent and empty,
No loved one at the window to wait,
You and I are nought but history.

You watch a lark skywards soaring
From the valley to the blue door of heaven,
How strangely now the stream is roaring,
As if it were weeping forever.
They carried me there to send me away,
They stopp'd my mouth with a stone -
Now I can't even tell you today,
I loved you as if you were my own.

Trans. copyright © Joy Sarah Buchanan 2002


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